Reiseblog

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Vom 19. bis 28. April 2015 verbrachte ich zehn wundervolle Tage im hohen Norden Norwegens. Unter der Leitung des Adelbodner Bergführers Manfred Inniger und mit acht Gleichgesinnten ging ich in den Lyngen Alps und Umgebung auf Ski- bzw. Telemarktouren. Für unser leibliches Wohl sorgte die eigens dazu mitgereiste Köchin. Die Erlebnisse und Eindrücke habe ich während der Reise in einer täglichen Berichterstattung mittels Text, Bild und Video festgehalten.

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Tag 1

Meine Vorfreude auf die Skitourenreise zu den Lyngen Alps war riesig, denn als Telemärkler und Jünger Sondre Norheims (Begründer der Telemarktechnik) sollte man mindestens einmal im Leben nach Norwegen pilgern.

Endlich war der erste Tag gekommen. Zum Leidwesen eines Morgenmuffels begann er schon in der Nacht mit dem Weckergeläut um 4.10 Uhr und einer anschliessenden Taxifahrt an den Hauptbahnhof Winterthur.

Um 5.30 Uhr war dann Treffpunkt am Flughafen Kloten. Manfred Inniger, unser Bergführer, begrüsste fünf Teilnehmerinnen (Anita, Chris, Franziska, Heidi und Käthi), zwei Teilnehmer (Roman und mich), Judith, die Köchin sowie Ruedi, ihr Mann, Hilfskoch und Mädchen für alles. Der geplante Abflug um 6.50 Uhr verzögerte sich um über eine Stunde, da das Flugzeug irrtümlicherweise vollgetankt wurde und gemäss Pilot damit zu schwer wurde. Das Abpumpen des überschüssigen Kerosin brauchte somit seine Zeit. Der Flug nach Oslo war dann dank des guten Wetters ruhig und aussichtsreich.

Von Oslo flogen wir nach kurzem Aufenthalt weiter nach Tromsø, wo uns zunächst nass kaltes Wetter empfing.

Mit einem gemieteten VW-Bus und einem Kleinwagen steuerten wir sogleich den angeblich einzigen Lebensmittelshop Tromsøs an, der sonntags geöffnet hat. Es schien, als würde dort die halbe Stadt am Einkaufen sein. Auch wir füllten zwei Einkaufswagen, damit Judith uns gleich am ersten Abend kulinarisch verwöhnen konnte.

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Erster Einkauf

Die ca. zweistündige Fahrt entlang diverser Fjorde und einer kurzen Überfahrt mit einer Fähre endete in Lyngseidet, wo wir im Weiler Oksvik unsere Lodge an traumhafter Lage bezogen.

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Fährfart von Breivikeidet über den Ullsfjord nach Svensby
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Unsere Lodge in Lyngseidet (Weiler Oksvik) direkt am Lyngenfjord
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Für Norwegen typisches Grillhäuschen mit Jacuzzi

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Tag 2

Auch dieser Tag begann eigentlich wieder in der Nacht, dieses Mal aber lichtmässig. Ein kurzes Erwachen um 5.30 Uhr offenbarte, dass es bereits taghell war. Schon am Vorabend dunkelte es erst gegen 22 Uhr ein. Zum Glück war das Frühstück erst auf 7.30 angesetzt, sodass ich mich noch einmal kehren konnte.

Nach einem üppigen Frühstück mit allerlei norwegischen Spezialitäten wie Geitost (ein caramelfarbiger Geisskäse der so schmeckt wie er aussieht), Kryddersildefilèt (würzige Heringsfilets) und Räucherlachs mit Zitronenpfeffer, stiegen wir in unseren blauen VW-Bus und fuhren entlang des Lyngenfjords ca. 15 Minuten nach Furuflaten zum Ausgangspunkt der ersten Skitour.

Der Aufstieg auf den 1533 m hohen Daltinden begann auf Meereshöhe beim örtlichen, saftig grünen Fussballplatz auf der für diese Saison schon geschlossenen Langlaufloipe.

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Fussballförderung im Spätwinter

Sanft schlängelte sich diese entlang eines Bergbaches und durch diverse Birkenbestände. Es nieselte leicht, doch am Himmel waren auch blaue Störungen auszumachen.

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Entlang des Bergbaches am Anfang der Tour

Nach ein paar Kilometern und auf ca. 240 m ü. M. bog die Spur scharf nach links in einen Steilhang hinein. Ab hier wurde auch der Wind zu unserem Begleiter. Rasch gewannen wir an Höhe und der Schnee wurde von Meter zu Meter trockener. Der Nieselregen ging abhägig von der Windstärke in zuweilen waagrechtes Schneegestöber über.

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Blick auf den Lyngenfjord

Bereits auf ca. 700 m ü. M. begann dann der nordexponierte Gipfelhang mit einer recht konstanten Neigung um die 30º.

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Oberer Teil des Gipfelhanges

Diese Kennzahlen und ein Mix von mehrheitlich windgepresstem Schnee, etwas Trieb- und Neuschnee, und die sich immer häufiger zeigende Sonne liessen auf eine tolle Abfahrt hoffen.

Der Wind pfeift uns um die Ohren

Nach ca. 5.5 Stunden Aufstieg erreichten wir den Gipfel.

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Gipfelkreuz auf Norwegisch

Wegen des Windes, machten sich alle rasch bereit für die Abfahrt, welche die beim Aufstieg aufgekommene Hoffnung tatsächlich erfüllte. Da konnte auch der weiter unten liegende Nassschnee und der wieder einsetzende Nieselregen die Freude nicht trüben. Es war eine rundum gelungene erste Skitour in Norwegen.

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Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 3

Den Startpunkt der heutigen Skitour auf den 1163 m hohen Giilavárri erreichten wir mit der Fähre von Lyngseidet nach Olderdalen. Die Eindrücke sind in folgenden Bildern festgehalten.

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Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 4

Sonne beim Aufstehen, Fahrt mit dem VW-Bus ganz in den Norden der Lyngenhalbinsel, viele Wolken und Schneefall zu Beginn des ersten Aufstiegs, Abbruch der Tour auf den Storgalten (1219 m ü. M.) nach ca. 800 Höhenmeter wegen stark vereister Unterlage (Steigeisen waren nicht Teil des Tagesbefehls), Abfahrt auf allerlei Schneequalität, der Himmel beginnt dabei aufzureissen, Mittagessen bei Sonnenschein und Lachssandwiches an einem Schiffsteg, Aufbruch zu einer zweiten Tour auf den Russelvfjellet (818 m ü. M.), fantastische Ausblicke auf Berge und Fjorde, der Wind pfeift einem dabei um die Ohren, Vorgipfel (794 m ü. M.) erreicht, ganz passable Abfahrt bis neben den VW-Bus, Rückfahrt zur Lodge, Apéro mit Chips und Bier, delikates Nachtessen, angeregte Gespräche und bloggen vor dem Schlafengehen.

Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 5

Knallertour auf den vergletscherten Kjostinden (1488 m ü. M.), geniales Wetter, Pulverschnee gefunden, neue Unterkunft und Umgebung in Lakselvbukt.

Telemarkschwünge im Pulverschnee (Video by Chris)

Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 6

Kaum zu glauben, doch der heutige Tag übertraf sogar noch den gestrigen. Möglicherweise war es die beste Ski- bzw. Telemarktour überhaupt, welche ich in meiner Alpinkarriere bisher erleben konnte. Die Königstour führte uns bei viel Sonnenschein auf den Jiekkevárri, mit 1834 m ü. M. der höchste Berg Nordnorwegens. Sein Gipfelplateau ist vergletschert, weshalb er auch manchmal als „Montblanc des Nordens“ bezeichnet wird.

Die Besteigung beinhaltete auch die Überschreitung des 1666 m hohen Holmbukttinden. Insgesamt legten wir in 9.5 Stunden gut 22 km und 2299 Höhenmeter zurück. Die Tour beinhaltete alles, was ein abfahrtsorientierter Tourengänger begehrt: Pulverschneehänge, ein 200 Höhenmeter überwindendes 40º steiles Couloir sowie Sulzschneehänge vom Feinsten. Sensationelle Ausblicke in die Bergwelt und die Fjorde sowie gigantische Wächten hinterliessen bleibende Eindrücke.

Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 7

Ein praktisch wolkenloser Tag mit einem bissig kalten Wind prägte unsere Tour auf den Langdalstindane (1580 m ü. M.). Wieder wurden unsere Anstrengungen mit fantastischen Ausblicken und einer langen Abfahrt in steilem Gelände belohnt. Die Schneequalität konnte aufgrund des starken Windes nicht ganz mit dem Vortag mithalten: oben stark verwehter Pulver und unten mochte sich der über Nacht beinhart gefrohrene Nassschnee nicht wirklich aufweichen. Im Talboden folgten wir dann einer Route durch einen eindrücklichen Canyon.

Zurück von der Tour und nach obligatem Bier mit Chips und Chilinüssen, machten einige von uns noch eine Ausflug von Lakselvbukt mit dem VW- Bus entlang des Sørfjorden. Dabei trafen wir an der Stasse auf ein paar Locals aus Tromsø, welche das Weekend mit Zelten am Fjord und Skitouren in den umliegenden Bergen verbringen. So machen es eben die Norweger.

Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 8

Das Wetter ist uns wortwörtlich wohl gesonnen, denn auch heute war den ganzen Tag keine Wolke am Himmel auszumachen.

Auf dem Programm stand der Umzug von Lakselvbukt nach Tromsø. Bevor wir aber am späteren Nachmittag in der Haupstadt der Provinz Troms, mit über 72’000 Einwohnern die achtgrösste Stadt Norwegens, ankamen, bestiegen wir noch den Stortinden (1320 m ü. M.).

Der Aufstieg war geprägt durch eine fingierte Bachquerung, Steilhänge zwischen 30º bis 35º, was unzählige Spitzkehren erforderte und zwei Passagen, wo die Skis gebuckelt werden mussten.

Belohnt wurden wir mit einem mittlerweilen gewohnt spektakulären Panorama, an dem man sich kaum satt schauen konnte. An den Nordosthängen fanden wir bis weit hinunter Pulverschnee, der dann in fast so schönen Sulzschnee überging – eine geniale Abfahrt, welche die Oberschenkel gehörig zum Übersäuern brachte, da man kaum anhalten mochte.

Nach dem Bezug unserer Hotelzimmer, gingen wir im Biffhuset vorzüglich essen. Krabbensuppe, Rentierfilet mit Kartoffeln und Rotkraut sowie ein Dessert mit Brombeeren, Vanilleeis, Schlagrahm und Eierlikör beglückten meinen Gaumen. Vonwegen es gäbe in Norwegen keine anständige Restaurants!

Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 9

Der letzte Tourentag fand, wie konnte es anders sein, bei Sonnenschein pur statt.

Von unserem Hotel in Tromsø fuhren wir über die imposante Brücke über den Sandnessund auf die Insel Kvaløya, die fünftgrösste Norwegens. Auf der ca. 40 Minuten dauernden und landschaftlich reizvollen Fahrt entlang der Küste gab es auch zwei Lachsfarmen zu sehen. Diese fallen durch ihre in Fjorden schwimmenden, kreisrunden Becken auf. In einer Bucht auf der Nordseite der Insel gelangten wir schliesslich zum Ausgangspunkt der Abschlusstour auf den Store Hollendaren (1017 m ü. M.).

Der Aufstieg begann, wie so viele in den letzten Tagen, gleich mit einem Steilhang und harter Unterlage – zuweilen auch blankes Eis – sodass man über Steighilfe und Harscheisen froh sein konnte. Auch Spitzkehren konnten wieder fleissig geübt werden.

Auf dem Gipfel angekommen streiften unsere Blicke über die Inselwelt vor Tromsø und auch das offene Meer war erkennbar.

Mit Schrecken stellte Franziska fest, dass ihre Bindung (Fersenautomat) kaputt gegangen war. Manfred und Roman fanden eine kreative Lösung und fixierten ihn mit Draht, dem Deckel einer Lippenpomade, Klebeband, einem Kabelbinder und einem Riemen. Damit stand einer steilen Abfahrt über einen Gletscher mit Pulver-, Sulz- und Hartschnee nichts mehr im Wege.

Einen zweiten Schreckmoment gab es für Anita, als sie bei einer kleinen, nicht tiefen Gletscherspalte einbrach. Unseren definitiv letzten Schwung setzten wir direkt vor der Küstenstrasse an.

Zurück in Tromsø fand dann das Après-Ski im gemütlichen Rorbua Pub statt. Fürs Abendessen gingen wir ins Fiskekompaniet, ein auf Seafood spezialisiertes Restaurant an der Wasserfront. Alle entschieden sich für den vom Kellner empfohlenen Dreigänger mit einem Fischtartar als Vorspeise, einem Hauptgang mit Heilbutt, Kartoffelpüree und Blattgemüse sowie einer Zitronentarte zum Dessert. Zusammen mit dem servierten Wein war das Menü ein Traum. Nach dem Essen überraschten wir Manfred als Dankeschön für sein Guiding mit einem kleinen Geschenk.

Zum Abschluss des Abends  genossen wir noch einen Absacker im Rorbua Pub.

Auf freien Fersen Richtung Fjord (Video by Chris)

Karte und Route digitalisiert von Anita D.
Karte und Route digitalisiert von Anita D.

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Tag 10

Ausschlafen, frühstücken und packen. Dies waren die ersten drei Aktivitäten des letzten Reisetages. Anschliessend fuhren wir frühzeitig zum Checkin am Flughafen. Bevor wir um die Mittagszeit die Rückreise in die Schweiz antraten, mussten aber noch die Mietfahrzeuge zurückgebracht und die von uns Teilnehmern am Vortag beim Fischhändler bestellten 16 kg Räucherlachs abgeholt werden. Vor der Sicherheitskontrolle und unter dem während der Reise einzig gesichteten Nordlicht fand dann eine regelrechte Fischteilet statt.

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Das Nordlicht am Flughafen
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Flugzeug von Tromsø nach Oslo
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Landeanflug auf Oslo

Kurz nach 18.30 Uhr und nach zwei kurzweiligen und ruhigen Flügen landeten wir sicher in Kloten, wo es zum grossen Abschiednehmen kam.

Zehn Reisetage liegen nun hinter mir, wobei jeder einzelne für unvergessliche Erlebnisse sorgte. Die traumhafte Landschaft hat mich in ihren Bann gezogen und wird mir nachhaltig in Erinnerung bleiben. Das Telemarkerherz bekam von allem, was es so begehrt. Ich lernte tolle Menschen kennen und als Gruppe haben wir ausgezeichnet harmoniert. Ein grosses Dankeschön geht an Manfred, der die Reise hervorragend organisiert hat, uns sicher durchs Gelände führte und auf den Strassen chauffierte. Judith sei herzlichst gedankt, dass sie uns in Lyngseidet und in Lakselvbukt mit ihren Kochkünsten verwöhnte. Zuletzt auch ein Dank an Ruedi, der Judith tatkräftig und moralisch zur Seite stand.

Slutten!

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Die Helden sind müde aber überglücklich.

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